Spanplattenwissen

 

Spanplatten (DIN 68 761 bis 68 765) werden aus kleinsten Holzteilen und/oder anderen holzartigen Faserstoffen (Hanf- oder Flachsschäben) hergestellt und mit Bindemittel verpresst. Als Bindemittel kommen sowohl härtbare Kunstharzleime, als auch Zement oder Magnesiabinder in Frage. Man unterscheidet Flachpressplatten und Strangpressplatten.

Die Einteilung erfolgt in Holzwerkstoffklassen

  • V20  oder P4 für allgemeine niedrige Luftfeuchte, nicht wetterbeständige Verleimung, Bindemittel Aminoplast. (Dauerhaft begrenzte Freisetzung von Formaldehyd) Feuchte maximal u = 15%1)
  • V100 oder P5 der Beständigkeit gegen hohe Luftfeuchtigkeit mit begrenzt wetterbeständige Verleimung kann sich nicht angeschlossen werden. Holz unterliegt der biologischen Zerstörung durch Holz schädigende und Holz zerstörende Pilze, sowie neigt zu Schimmelpilzbefall. Ein Einsatz in feuchten Kellerräumen oder als Fußbodenplatte über feuchte Kappen ist nicht zu empfehlen. Eine kurzzeitige hohe Luftfeuchte mit anschließender ausreichender Abtrocknung ist ohne Probleme möglich. Bindemittel: alkalisch härtende Phenolplaste, Phenolresorcinharze. (Setzt praktisch kein Formaldehyd frei.) Feuchte maximal u = 18%.
  • V100 G Wie 100 nur zusätzlich mit einem amtlich zugelassenen Holzschutzmittel vom DIBt gegen Pilzwuchs geschützt. Damit für den Innenraum nicht zulässig, vgleiche DIN 68 800. Auch hier führt eine ständige hohe Feuchte zur Zerstörung des Werkstoffs trotz Holzschutzmittel. Eine kurzzeitige hohe Luftfeuchte mit anschließender ausreichender Abtrocknung ist ohne Probleme möglich. Feuchte maximal u = 21%.

Als Bindemittel von Holzwerkstoffen werden Phenol-Formaldehydharze (PF), Phenolresorcin-Formaldehydharz (PRF), Harnstoff-Formaldehydharz (UF), polymere Diphenylmethan-Diisocyanate (PMDI), Aminoplast: Melamin-Formaldehydharz (MF), modifizierte Melamin-Formaldehydharz (MUF und MUPF) verwendet.
Bei Phenolharzverleimungen treten Formaldehydemissionen nahezu nicht auf, sie werden bei Aminoplastverleimungen beobachtet. Die Ausdunstung erhöht sich mit wachsender Temperatur und Zunahme der relativen Luftfeuchte von 35 auf 80%. Bekannt ist, dass die Formaldehydabspaltung bei entsprechenden Bedingungen (Temperatur und Feuchte) über ein Jahr und länger andauern kann. Nach 8 Monaten Lagerzeit verringert sich das Formaldehydniveau deutlich.

Klassifizierung von Spanplatten, die Emissionsklasse E 1 (Formaldehydabgabe < 0,1 ppm). Bei Überschreitung dürfen beschichtete oder unbeschichtet Holzwerkstoffe nicht in den Verkehr gebracht werden.


Formaldehydfreie Spanplatten sind (wenn sie nicht mit Gips, Kalk oder Zement gebunden sind) fast immer mit Kleber gebunden, die Diisocyanate enthalten. Die Härterkomponente ist immer ein Diisocyanat. Bei der Spanplattenverleimung kann aus Diphenylmethan-4,4'-diisocyanat durch Hydrolyse, das heißt durch die verändernde Wirkung von Wassermolekülen, das im Tierversuch krebserregende 4,4'-Diaminodiphenylmethan entstehen; zugleich entsteht Kohlendioxid.
Bei großflächiger Anwendung bleibt die Raumluft auch nach dem vollständigen Abbinden noch stark belastet. Der MAK-Wert liegt bei 0,01 ppm beziehungsweise ml/m3. Isocyanate sind außerordentlich starke Allergene, die asthma- oder heuschnupfenähnliche Symptome hervorrufen. Die Asthmaanfälle können bereits bei einem Zehntel des o.g. MAK-Wertes ausgelöst werden.

Welche Umwelt- und Gesundheitsgefahren von Spanplatten ausgehen, wird sehr unterschiedlich bewertet. Es sei hier genannt, dass die Polyurethan (PU)-Herstellung sehr umweltbelastend ist und dass Isocyanate schon in geringsten Konzentrationen zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Gerade bei der Herstellung und Verarbeitung ist mit einem erhöhten Risiko für die Belegschaft zu rechnen.

Anwendung:

Platten werden als mittragende und aussteifende Beplankung bei hölzernen Wänden, Böden, Decken und Dächern verwendet.

  • Abmaße: Dicke 4 ... 50 mm,
  • Breite bis 2800 mm und Länge bis 14000 mm
  • Dichte: 550 ... 700 kg/m3
  • Schwindmass: 0,035 %
  • Wärmeleitfähigkeit: 0,13

Mineralisch gebundene Holzwerkstoffe bestehen aus den Bindemitteln Gips, Zement oder Magnesitmasse. Die Holz- oder Zellulosefasern dienen als Armierung. Gipsgebundene Holzwerkstoffe könne in den Anwendungsbereichen der Holzwerkstoffklasse 20 und 100, zementgebundene in der Klasse 100G verwendet werden.

Soll auf Spanplatten zugunsten anderer Verkleidungsmaterialien nicht verzichtet werden, muss die Produktwahl und durch konstruktive Vorkehrungen versucht werden, die Ausgasung auf ein tolerierbares Maß zu begrenzen. Die feuchtbeständigen Spanplatten vom Typ V100 setzten praktisch kein Formaldehyd gegenüber den billigeren V20 frei. Zu beachten ist, dass Baukleber und -leime, Einbaumöbel, Zigarettenrauch, offen Flammen, Reinigungs- und Desinfektionsmittel Formaldehydquellen sind.

Dank der Forschungsarbeiten der Lud. Kuntz GmbH sind erdölbasierte Bindemittel künftig auch für Hochleistungsspanplatten nicht mehr nötig. Statt Phenolharzen sorgen Tannine und Stärke für die nötigen Stabilität entsprechend der EU-Norm. Tannine können aus den Rinden tropischer Hölzer oder Stärke aus Kartoffeln oder Getreide gewonnen werden.
Eine tanningebundenen Spanplatte für den Trockenbau war bereits vor einigen Jahren im Handel erhältlich. Jetzt können auch feuchtebeständige, stabile und selbsttragende tanningebundene Spanplatten der anspruchsvollen Produktgruppe P5 produziert werden. Die Ökoplatten können auch im Außenbereich für Wände oder Decken eingesetzt werden.

Die Güteüberwachung für Spanplatten liegt bei der Gütegemeinschaft Spanplatten e.V. in 35392 Gießen, Wilhelmstr. 25

Spanplatten sind Holzwerkstoffe. Es gelten die Eigenschaften von Holz.